Schriftzeilen kilometerweit beschrieben, in historischen Schriftcharakteren von den Römern, Karl dem Großen, Gothik und Barock bis zu den Humanisten, hat Gitta Merkle im Studium. Schriftschreiben und -zeichnen war die ersten 4 Semester Pflicht.

Stellt sich die Frage was das bringt (die gebrochenen Schriften sind von Neonazis belegt und man will sie nicht mehr sehen). – Einem Grafikdesigner auf jeden Fall ein gutes Gefühl für Schriften, das man auch am Computer braucht, das aber von Internet und mobilen Geräten arg strapaziert wird.

Schreiben als Meditation

Am meisten geschrieben hat Gitta Merkle allerdings in einer schwierigen Umorientierungsphase des Studiums. Wie bei den japanischen Kalligrafen kann Schreiben ein Ritual sein, bei dem man ganz bei sich ist, sich findet.

Wenn die Lesbarkeit verschwindet und Schriftzeichen zu Strukturen werden, kann abstrakte Kunst entstehen. Das ist aber nicht ihr Metier.

Längere Texte schreibt Gitta Merkle vor allem noch für private Karten, ganz ungeübt. In einer Zeit wo der Computer so leicht alles hergibt, auch handschriftlich wirkende Buchstaben, mag sie das Unperfekte, schiefe und lebendige. (Die Karte hat nicht ganz auf den Scanner gepasst.)