Jetzt (Januar 2018) habe ich das Bedürfnis zur aktuellen Debatte auch etwas zu sagen. Zur Zeit geht es viel um sexistische Sprüche und Hände, die nicht auf das Knie der Sitznachbarin gehören. An der weit verbreiteten Unkultur des Missbrauches von Macht und Einfluß und des Erduldens aus Karriere-Gründen muss sich etwas ändern. Wenn die Frauen nun untereinander solidarischer werden, keimt Hoffnung auf. Es kommt übrigens auch vor, dass Frauen nicht Opfer sondern Täter sind.

Männer sind sich keiner Schuld bewußt, weil sie taten was ganz normal war. Woran es auch lange gefehlt hat ist die Akzeptanz, dass Frau sich wehrt. Als Schwester zweier Brüder daran gewöhnt, habe ich in der Schule und später in der Disco erlebt, dass dann alle entsetzt waren. Es schickt sich nicht, dass ein Mädchen handgreiflich wird. Sie soll warten bis ihr vielleicht jemand zu Hilfe kommt. Für die Männer gibt es entschuldigendes Verständnis „ … er ist doch nur betrunken” das Mädchen wird als rabiates Weibsstück beschimpft. Die fraulichere Ohrfeige, uns in alten Filmen gerne vorgespielt, funktioniert auch nicht. Hat sie doch in selbigen meist eher die Funktion erotisch anzustacheln.

Wenn eine Frau wie Catherine Deneuve für die „Freiheit zu belästigen” eintritt, so ist das erstaunlich. Gerade in Frankreich kann Frau sich alleine nirgends hinsetzen, ohne dass sich gleich ein Kerl daneben setzt. Angetrieben hat die Aktion aber wahrscheinlich eher die Befürchtung, die Männer trauen sich bald gar nicht mehr zu flirten. Manche Frau würde sich wünschen wenigstens vor der Ehe noch umworben zu werden, wenn sie schon hinterher alles macht. Und ärgert sich, wenn sie es ist die den ersten Schritt tun muss.

Obwohl selbst von mehr als nur „dem Üblichen“ betroffen finde ich, dass vor lauter im eigenen Umfeld stochern gerade das Dringendste aus dem Blick gerät. Was ist eine aufdringliche Hand an der falschen Stelle gegen das, was so vielen Frauen auf der ganzen Welt täglich passiert. Macht doch mit Euren auf gefährlich manikürten Fingernägeln einen ordentlichen Kratzer in die Hand. Und dann tut was für die Flüchtlingsfrauen aus Südamerika, Afrika, Asien und für die vielen, die nicht einmal Zuhause sicher sind.

Das obige Gemälde (don’t touch, Acryl auf Leinwand, 80 x 170 cm) war schon im Mai 2017 fertig, also vor MeToo.

Neben den täglichen Nachrichten, war es eine Geschichte die mir ein Regierungsmitarbeiter auf einer Zugfahrt von Berlin erzählte, die mich dazu trieb dieses Bild zu malen. In Mexico über Land unterwegs, wurde der Bus an einer Polizeistation angehalten. Die Polizisten kamen in den Bus und forderten zwei Frauen ohne Papiere auf mitzukommen. Es waren Mutter und Tochter, Flüchtlinge aus Südamerika, die in der Station von mehreren Polizisten vergewaltigt wurden. Ganz normal … an der nächsten Polizeistation ging ein einheimischer Mann mit und kaufte die Frauen frei.

Leider können sie ihren Peinigern nicht einfach entschweben, die Frauen in Mexico, in Indien, die Jesidinnen, die Rohingya … zwei angefangene Bilder zu dem Thema stehen noch da.